Montag, 10. März 2008

Deutschlandfunk über Clash of Realities

Der Deutschlandfunk berichtet über die Clash of Realities in Köln und kritisiert, dass die Konferenz nicht Schritt halte. Von Second Life sei schließlich nichts mehr übrig, man solle doch auch die Wii thematisieren.

Zum "Scheitern von Second Life"
Ich habe eher den Eindruck, der in Computer-Dingen eher behäbige Deutschlandfunk hat sich von der allgemeinen Hü-Hott-Presse einlullen lassen. Es ist nicht unbedingt der kommerziell erfolgreichste Daddelmat der Gegenwart für die Froschung interessant. Der DLF hatte sich das Scheitern von Second Life als Thema erhofft - dieser Wunsch geht jedoch bei der "Clash of Realities" an die falsche Adresse: Schließlich hat der Sponsor Electronic Arts Deutschland (EA) gerade mit "Virtualme" ein eigenes SL-Konzept ins Rennen geschickt und wird sich kaum ins eigene Fleisch schneiden lassen. Hier zeigt sich dann möglicherweise doch eine gewisse Anpassung der Themenwahl an EA-Bedürfnisse.

Das eigene Hobby erforschen
Der DLF nannte allerdings doch noch einen wichtigen Aspekt der Spieleforschung: Viele Wissenschaftler sind selbst bekennende Langzeitcomputerspieler. Das führt naturgemäß zu einer Wahrnehmungsverzerrung, sowohl hinsichtlich des Untersuchungsgegenstandes und seiner Wirkungen als auch der Relevanz dieses Forschungsgebietes. Es ist nicht immer einfach, sich den nüchternen Forscher-Blick zu erhalten.

Donnerstag, 6. März 2008

Hamburg baut erste deutsche Uni-Insel in Second Life

Die Universität Hamburg beginnt morgen als erste deutsche Hochschule mit dem Bau einer eigenen Insel in "Second Life". Auf der diesjährigen CeBIT sowie life in der virtuellen Umgebung feiern die Projektbeteiligten den virtuellen ersten Spatenstich, darunter Repräsentaten des SL-Betreibers Linden Lab, des interuniversitäten Campus Hamburg, der virtuellen Springer-Zeitschrift "AvaStar" sowie der durchführenden Medienagentur Büro X.


Foto: Xon Emoto / Büro X

Hamburg bewies schon vor einem Jahr Pioniergeist: Auf der CeBIT 2007 präsentierte man sich als erste deutsche Stadt in der virtuellen Welt. Seitdem wächst die Region "Hamburg Islands" in der virtuellen 3D-Welt.

Nach Information der Medienagentur Büro X sind beim kalifornischen Second Life-Betreiber Linden Lab bereits 4000 internationale Projekte aus dem Bereich Bildung und E-Learning angemeldet. Der interuniversitäre "Campus Hamburg" bietet zum Beispiel die dreidimensionale Installation eines Containerterminals für logistische Übungszwecke an. Ein anderes Projekt thematisiert virtuelles Eventmanagement. Seit Oktober 2007 wurden sechs Pflichtveranstaltungen für über 30 eingeschriebene Studierende abgehalten.

Zugleich kündigt auch die TÜV NORD AG an, ihre 3D-Webpräsenz auszubauen.

(Ort: CeBIT 2008 in Hannover, Norddeutscher Gemeinschaftsstand, Halle 14, Stand G26)

Foto: Xon Emoto / Büro X
  • Uni Hamburg über ihren Stand bei der CeBIT 2008 (PDF)
  • Programm und Lageplan der CeBIT 2008 bei Hamburg@Work (PDF)
  • Second Life-Link zum CeBIT Stand

Kommentar:


Die schönen Screenshots künden von einer berauschenden Zukunft. Sie wurden offenbar mit der neuen Darstellungssoftware (Windlight) aufgenommen. Mit dem normalen Viewer sieht Second Life leider nicht so brilliant aus. Man darf gespannt sein.

"Inseln" in der virtuellen Welt stehen für separate Server. Ihr Besitzer kann zum Beispiel andere Nutzer am Betreten hindern und verfügt damit über die Möglichkeit, ungestört Projekte durchzuführen. Den Ausschluss anderer könnte man mit dem für Internetforen anerkannten "virtuellen Hausrecht" in Verbindung bringen. Über dessen dogmatische Grundlagen und Reichweite wird noch gestritten. Es bleibt zu spekulieren, inwiefern die SL-Bewohner sich auch unter- und gegeneinander auf ein Hausrecht berufen können.

(Ein Bericht von der virtuellen Veranstaltung folgt - ich hoffe, dieser virtuelle Besuch wird erfolgreicher als mein letzter.)

Mittwoch, 5. März 2008

"Clash of Realities" in Köln gestartet

In Köln begann heute eine internationale Konferenz zum Thema Computerspiele. Medienpsychologen, Kulturwissenschaftler, Suchtexperten und Pädagogen sollen an drei Tagen den "Facettenreichtum des Forschungsgegenstands aufzeigen" und zu "Diskussionen anzuregen". Zu verschiedenen Bereichen wurden auch amerikanische Forscher eingeladen. Rechtswissenschaftliche Beiträge sind, soweit aus dem Programm ersichtlich, nicht vorgesehen. Gastgeber ist die FH Köln und Electronic Arts Deutschland, die Teilnahme ist kostenlos.


Kommentar

Die Spieleforschung ist eine wachsende Disziplin, die momentan verstärkt auch das Recht erreicht. Sie setzt der breiten Medien-Kritik an Computerspielen Versachlichung entgegen, was vor dem Hintergrung ahnungslos geführter Debatten um "Killerspiele" und "Scheinwelten" ausdrücklich zu begrüßen ist.
Dennoch sei der Hinweis erlaubt, unter wessen Tisch die eingeladenen Game-Forscher ihre Füße stellen: EA ist der derzeit größte Verleger und Entwickler von Computerspielen weltweit und produzierte Ego-Shooter wie zum Beispiel "Crysis" aber auch virtuelle Welten wie aktuell "VirtualMe". Gerade wenn es um schädliche Auswirkungen von Spielen geht, drängt sich ein gewisser Interessenkonflikt auf. Es bleibt den Spieleforschern daher zu wünschen, dass sie als ernstzunehmende und sachliche Forschungsdisziplin bald auf einen Game-Giganten als Steigbügelhalter verzichten können.

Montag, 3. März 2008

Wissen virtuell - Second Life als Umgebung für Vorlesungen und Konferenzen

Firmen entdecken Second Life als kostensparenden Ort für Meetings, berichtet die Financial Times Deutschland. IBM unterzeichne sogar Verträge virtuell. Laut Hanno Tietgens vom Hamburger "Büro X" habe die virtuelle Umgebung gegenüber reinen Videokonferenzen einige Vorteile. Themen könnten dreidimensional dargestellt und bearbeitet werden. So ermögliche die virtuelle Umgebung den Spaziergang durch ein Molekül.

Hanno Tietgens sorgt derzeit auch für die virtuelle Zukunft der Uni Hamburg: Dort wurde Second Life bereits für Vorlesungen genutzt - gehalten von einem Neuseeländer vom heimischen Rechner aus. Denn auch das macht die virtuelle Umgebung für Unis interessant: Internationale Referenten können kosten- und zeitsparend eingeladen werden. Nach prominenten Beispielen wie Harvard zeigen inzwischen etwa 15 deutsche Universitäten Aktivität in virtuellen Welten.

(erschien auch bei Telemedicus.info)